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Fachkräftesituation in den Careberufen alarmierend: Antworten aus dem Bereich der Caritas

Caritas-Dienstgeber und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellen im Pressegespräch Ergebnisse des Caritaspanel 2022 und Best Practice-Beispiele vor

Berlin. Bei dem heutigen Pressegespräch der Caritas-Dienstgeber im Hybridformat wurden die alarmierenden Ergebnisse der aktuellen Caritas-Rechtsträgerbefragung im Vergleich mit denen des IAB-Betriebspanels der Öffentlichkeit vorgestellt.

90 Prozent der teilnehmenden Caritas-Betriebe geben bei der Befragung 2022 an, dass die Gewinnung benötigter Fachkräfte mit größeren Schwierigkeiten verbunden ist. Zweidrittel der Caritas-Dienstgeber rechnen in den nächsten Jahren mit Personalmangel in ihren Bereichen. Bereits 2022 fand sich für jede vierte Stelle keine geeignete Fachkraft. Noch angespannter stellt sich die Lage im IAB-Betriebspanel dar: bezogen auf alle Wirtschaftsbereiche in Deutschland blieben 2022 sogar 45,2 Prozent der Fachkräftestellen unbesetzt.

„Die Ergebnisse des Caritaspanels machen im Vergleich mit der gesamtwirtschaftlichen Situation (IAB-Betriebspanel) deutlich, dass die Caritas attraktive Arbeitsbedingungen hat und sich als Arbeitgeberin behaupten kann. Doch vor dem Hintergrund, dass in den nächsten 10 Jahren rund 200.000 Mitarbeitende der Caritas in den Ruhestand gehen werden, alarmieren uns die Ergebnisse der Befragung auch: Angesichts eines allumgreifenden Fachkräftemangels in den Careberufen und unsicherer Finanzierungszusagen der Politik sind Einschränkungen des Angebots und Schließungen von Einrichtungen bereits Realität“, so Norbert Altmann, Sprecher der Caritas Dienstgeberseite. „Die Caritas steuert dem mit allen Kräften entgegen und hat in diesem Zusammenhang unter anderem die Ausbildungskapazitäten erneut stark ausgebaut – doch auch die Politik muss endlich handeln. Die Einrichtungen brauchen praxistaugliche und zugleich rechtssichere Rahmenbedingungen sowie eine stabile, verlässliche Finanzierung.“

Die Einrichtungen der Caritas haben ihr Ausbildungsangebot gegenüber 2020 deutlich erhöht – im Bereich der Altenhilfe sogar um rund 50 Prozent. Dreiviertel der Caritas-Einrichtungen bilden aktuell aus und haben 2022 dreiviertel der Ausgebildeten mit erfolgreichem Abschluss selbst übernommen. Die Übernahmequote hat sich damit um ganze 12 Prozentpunkte gegenüber 2020 erhöht.

Altmann sieht aber auch die Medien in der Pflicht. Das Image der inzwischen gut bezahlten, sehr sicheren und gesellschaftlich wertvollen Berufe muss dringend verbessert werden: „Es hilft nicht, die sozialen Berufe immer nur schlecht zu reden.“

Mit kurzen Beispielen aus der Caritas-Praxis wurde beim Pressegespräch gezeigt, wie die Caritas-Dienstgeber an verschiedenen Stellen ansetzten, mit dem Fachkräftemangel umzugehen und diesem entgegenzusteuern.

Best Practice-Beispiel Caritas Düsseldorf: Ausbildungsaktivität verstärken

Die Caritas in Düsseldorf hat es sich mit Ihrem Slogan „Bei Click Ausbildung“ zum Ziel gesetzt, die Schwelle, eine Ausbildung in der Pflege zu beginnen, möglichst niedrig zu halten. Junge Menschen, die Interesse signalisieren, werden individuell und persönlich von einer eigens dafür eingerichteten Stelle betreut und auch während der Ausbildung begleitet. Auch die Abbruchrate konnte dadurch deutlich reduziert werden. Sollte ein erfolgreicher Abschluss der Ausbildung im Einzelfall nicht möglich sein, können so zudem motivierte Menschen für eine Weiterbeschäftigung bei der Caritas in ungelernten Bereichen gewonnen werden. 

Best Practice-Beispiel Caritas Hochrhein: Personal effizient einsetzen

Mehr Zeit für Pflege und damit den Pflegeberuf attraktiver zu machen, ist das Ziel der Caritas am Hochrhein. Mit zeitbezogener Pflege wird die Autonomie gewonnen, Pflege bedarfsgerechter anzubieten – mit dem Fokus die Selbständigkeit der ambulant Betreuten zu stärken. Eine entsprechende Vereinbarung mit den refinanzierenden Kassen liegt dem zugrunde. Im Ergebnis ist der Berufsalltag der ambulanten Pflegekräfte entspannter, weil er nicht mehr der üblichen vorgegebenen engen Zeittaktung unterliegt, und die Kundinnen und Kunden erfahren die Unterstützung, die sie wirklich benötigen.

Best Practice-Beispiel DiCV München/Freising: Image der Careberufe verbessern

Mit einer breit aufgesetzten Pflege-Kampagne will der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising Menschen dafür gewinnen, einen Beruf in der Alten- und Behindertenhilfe zu ergreifen. „Wir müssen die vielen schönen Seiten dieses sinnstiftenden Berufsfelds thematisieren, wie die Nähe zu den Menschen und die tiefe Zufriedenheit, die helfende Berufe mit sich bringen“, so Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin des Diözesan-Caritasverbands. Das Caritas-Claim „Caritas. Nah. Am Nächsten.“ wird dazu nahezu wörtlich ausgelegt. Vor allem mit kraftvollen, authentischen Portraitfotos von echten und Kundinnen bzw. Mitarbeitenden soll ein modernes Gesicht der Pflege gezeichnet und damit ein deutlicher Kontrast zu den üblichen stereotypen Bildwelten der Branche geschaffen werden.

Über das Caritaspanel

Seit 2015 baut die Dienstgeberseite der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine umfassende Datenbasis mit Informationen über die Rechtsträger der Caritas mit ihren Einrichtungen und Diensten auf. Vorbild ist das IAB-Betriebspanel, in dem seit über 20 Jahren regelmäßig die Wirtschaftsdaten von 16.000 Betrieben verschiedener Branchen erhoben und ein Gesamtbild der Unternehmenslandschaft in Deutschland erstellt wird. Nach einer ersten Grundauswertung der Erhebungsdaten folgen Auswertungen aufgeschlüsselt nach Regionen und Hilfebereichen der Caritas. Mehr zum Caritaspanel unter www.caritas-dienstgeber.de/caritaspanel

Über die Arbeitsrechtliche Kommission

Die Arbeitsrechtliche Kommission (AK) des Deutschen Caritasverbandes legt die Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen und Diensten des Deutschen Caritasverbandes e.V. (AVR) fest. Die AK Caritas ist paritätisch mit Vertreterinnen der Dienstgeberseite (Arbeitgeberinnen) und Dienstnehmern (Mitarbeitenden) besetzt und regelt die Arbeitsbedingungen für rund 700.000 hauptberufliche Mitarbeitende in bundesweit ca. 25.000 caritativen Einrichtungen und Diensten.

Ihre Ansprechpartnerin

Anne-Katrin Hennig
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Geschäftsstelle der Dienstgeberseite
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