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Parlamentarisches Frühstück der Caritas-Dienstgeber – Politik und Sozialwirtschaft im Dialog

Arbeitsrecht gestalten, Wohlfahrt erhalten – Wie wird die Sozialwirtschaft zukunftsfähig?

Am vergangenen Dienstag luden die Caritas-Dienstgeber zum Parlamentarischen Frühstück unter dem Titel „Arbeitsrecht gestalten, Wohlfahrt erhalten – Wie wird die Sozialwirtschaft zukunftsfähig?“ ein. In entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Schrippen kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Ministerien und Verbänden miteinander ins Gespräch. Kurze Impulse lenkten den Blick sowohl nach innen – auf die Strukturen der Sozialwirtschaft – als auch nach außen – auf die politischen Rahmenbedingungen.

Dr. Susanne Pauser: Caritas als Garant der Daseinsvorsorge

Im ersten Impuls stellte Dr. Susanne Pauser, Vorständin des Deutschen Caritasverbandes, die Caritas als Garant der Daseinsvorsorge in Deutschland heraus: „Würde man uns ausknipsen, ginge an vielen Orten das Licht aus“, so Pauser.

Sie betonte, dass die Caritas nicht nur für Menschen in akuten Notlagen da ist, sondern auch für einen präventiven Sozialstaat für alle steht. Die Caritas bleibe in der Fläche präsent – auch in Regionen, in denen sich private Anbieter längst zurückgezogen hätten. Grundlage des Handelns sei eine wertebasierte Haltung, die gesellschaftlichen Zusammenhalt fördere.

Pauser machte auf die großen Herausforderungen aufmerksam: Finanzierungs- und Personalengpässe, eine zunehmende Polarisierung sozialpolitischer Debatten und wachsende Planungsunsicherheiten auf kommunaler Ebene. Sie forderte verlässliche Strukturen, eine realistische Bedarfsplanung, mehr Flexibilität in der Personalpolitik und eine Stärkung kommunaler Verantwortung. Ihr Appell an die Politik: „Wir brauchen Partner, die anerkennen, was wir leisten – und die uns in der Aufgabe unterstützen, soziale Sicherheit für alle zu gewährleisten.“

Dr. Stefan Nacke: Politik braucht verlässliche Partner in der Wohlfahrt

Dr. Stefan Nacke, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), betonte im zweiten Impuls, dass die CDU an der Seite der Caritas stehe.

Er sprach von einem „Ringen um das richtige Verständnis der Probleme unserer Zeit“ innerhalb der Regierungskoalition – insbesondere bei Fragen wie Arbeitszeitflexibilität, Tariftreue und Unternehmensmitbestimmung. In den hierzu anstehenden politischen Prozessen und Gesetzgebungsverfahren, müssen kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien nach Nackes Auffassung als gleichwertig zu Tarifverträgen anerkannt werden.

Er forderte, dass sich die Politik öffentlich und klar positioniere, um die Rahmenbedingungen für die Sozialwirtschaft zukunftsfest zu gestalten. Allgemeine gesetzliche Regelungen müssten die Besonderheiten der freien Wohlfahrt und hier insbesondere auch der konfessionellen Akteure berücksichtigen.

Dr. Pascal Krimmer: Arbeitsrecht modernisieren, Fachkräfte sichern

Im dritten Impuls sprach Dr. Pascal Krimmer über die die Herausforderungen der Dienste und Einrichtungen der Caritas in einem dynamischen Arbeitsmarkt, die mit attraktiven Vergütungsbedingungen im Wettbewerb gut dastehen. Mit Zahlen aus dem Caritaspanel verdeutlichte er aktuelle Entwicklungen: steigender Fachkräftebedarf, hohe Teilzeitquoten, eine alternde Belegschaft und gleichzeitig stabile Beschäftigungsbedingungen. Krimmer hob besonders die hohe Tarifbindung und Mitbestimmung im Bereich der Caritas hervor. 

Er forderte von der Politik Maßnahmen zur Anerkennung von Qualifikationen, eine Flexibilisierung der Arbeitszeit und eine nachhaltige Förderung von Ausbildung und Quereinstieg, um den Personalbedarf langfristig zu sichern.

Wortmeldung von Wilfried Oellers: „Die Caritas braucht eine laute Stimme“

Spontan meldete sich auch Wilfried Oellers, CDU-Bundestagsabgeordneter, zu Wort. Er unterstrich die Bedeutung einer starken öffentlichen Stimme der Caritas: „Die Argumente sind auf Ihrer Seite.“ Mit Blick auf die Debatte um Arbeitszeitflexibilisierung machte Oellers deutlich, dass es dabei nicht um Mehrarbeit, sondern um mehr Gestaltungsspielraum für Arbeitgeber und Beschäftigte gehe. Die Diskussion müsse differenziert geführt werden.

Abschluss und Ausblick

Zum Abschluss dankte Johannes Brumm, Sprecher der Caritas-Dienstgeber, allen Rednerinnen und Rednern sowie den Gästen für den offenen und konstruktiven Austausch. Beim anschließenden Get-together wurden die Diskussionen in kleiner Runde fortgeführt – mit dem gemeinsamen Ziel, die Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige und am Menschen orientierte Sozialwirtschaft weiter zu stärken.

„Arbeitsrecht gestalten heißt Verantwortung übernehmen – für gute Arbeit, verlässliche Strukturen und eine starke Sozialwirtschaft“, fasste Brumm den Vormittag zusammen.

Text: Sylvia Lutz-Munder

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