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Dritter Weg - Verhandlungskultur ohne Kampf

Die Kirchen schließen keine Tarifverträge, sondern haben ein eigenes gleichwertiges Regelungssystem. Die Kirchen haben in den letzten Jahrzehnten in Wahrnehmung des ihnen verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrechts ihr Dienstrecht für die Arbeitsverhältnisse ausgebaut.

Um bei der Gestaltung des kirchlichen Arbeitsrechts einen Interessenausgleich zwischen Mitarbeitern und Dienstgebern sicherzustellen und gleichzeitig die religiöse Dimension des kirchlichen Dienstes zu berücksichtigen, haben sich die katholische und die evangelische Kirche für den sogenannten Dritten Weg entschieden. Danach werden die Arbeitsbedingungen für die einzelnen Dienstverhältnisse durch paritätisch besetzte Kommissionen nach kircheneigenen Ordnungen festgelegt. Für die katholische Kirche gilt einheitlich die von der Deutschen Bischofskonferenz am 22. September 1993 verabschiedete "Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse". Novelliert wurde ihr Recht des Dritten Weges, um zur Sicherung der Einheit und Glaubwürdigkeit des kirchlichen Dienstes in allen Diözesen und für alle der Kirche zugeordneten Einrichtungen einheitliche arbeitsvertragliche Regelungen zu erreichen.

Für das Arbeitsrechtsregelungsverfahren im Bereich des Deutschen Caritasverbandes besteht auf der Grundlage kirchengesetzlicher Anerkennung die Arbeitsrechtliche Kommission des Deutschen Caritasverbandes (AK). Für das Verfahren und ihre Beschlüsse gilt die „Ordnung der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes.“ Die Kommission ist paritätisch besetzt mit Vertretern der Mitarbeiterseite und Dienstgeberseite und beschließt das Arbeitsvertragsrecht in den caritativen Einrichtungen.

Der Dritte Weg geht von den Grundsätzen eines partnerschaftlichen und kooperativen Miteinanders von Mitarbeitern und Dienstgebern, einer gleichberechtigten und gleichgewichtigen Vertretung jeder Seite im Sinne einer Parität, einer fairen und verantwortlichen Konfliktlösung ohne Arbeitskampf und des im kirchlichen Recht verankerten Prinzips der Lohngerechtigkeit aus. Dies erkennt auch das Bundesarbeitsgericht an.

Dieses seit nunmehr über 30 Jahren erfolgreich praktizierte System erfolgt in Abgrenzung zu einem denkbaren ersten Weg, in dem der Inhalt der Dienstverhältnisse einseitig durch Leitungsorgane festgelegt wird. Die Kirche schließt aber auch die Gestaltung der Dienstverhältnisse auf dem zweiten Weg durch den Abschluss von Tarifverträgen aus (Art. 7 Abs. II der Grundordnung). Im kirchlichen Dienst bestehen keine widerstreitenden Interessen von Kapital und Arbeit. Arbeitskämpfe mit der Möglichkeit von Streiks und Aussperrungen als Funktionsvoraussetzungen des Tarifvertragssystems sind mit dem Wesen des kirchlichen Dienstes, der gemeinsam Verantwortung für den Auftrag der Kirche, nicht zu vereinbaren.