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Tarifabschlüsse 2022

Inflation, Energiekrise, Krieg in der Ukraine: Die Tarifabschlüsse dieses Jahr erfolgen unter schwierigen wirtschaftlichen und politischen Umständen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die Tarifverhandlungen im Jahr 2022.

Hohe Inflation, zuletzt 10,4 Prozent im Monat Oktober, anhaltende Lieferengpässe aufgrund der Corona-Pandemie, eine Energiekrise in Europa und der Krieg in der Ukraine begleiten die Tarifverhandlungen. Laut Herbstprojektion der Bundesregierung ist für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent zu erwarten. Für das Jahr 2023 wird eine Rezession mit einem Wachstumsrückgang von 0,4 Prozent prognostiziert. Trotzdem gehen die Gewerkschaften - mit Verweis auf die Inflation – in allen Branchen mit hohen Lohnforderungen in die weiteren Verhandlungen. 

Im Folgenden findet sich eine Übersicht über Tarifvereinbarungen im Jahr 2022.

Einigung des Bundesverbandes Druck und Medien (bvdm) mit der ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (29.03.2022)

Personal: 120.000 gewerblich Beschäftigte der Druckindustrie

Laufzeit: 25 Monate (01.02.2022 bis 29.02.2024)

Abschluss: ab 01.05.2022 um zwei Prozent und ab 01.05.2023 um 1,5 Prozent.

Manteltarifvertrag: ab 01.05.2022 erneute Inkraftsetzung des Manteltarifvertrages für gewerbliche Arbeitnehmer sowie die Anhänge zum MTV ohne inhaltliche Änderungen; Beendigung zum 31.10.2024, danach Eintritt der Nachwirkung; Anpassung der Regelungen zu Maschinenbesetzungszeiten im Manteltarifvertrag an betriebliche Gegebenheiten bis Ende 2022.

 

Einigung des Bundesverbandes der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) mit der ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft sowie dbb beamtenbund und tarifunion (28.03.2022)

Personal: 25.000 Beschäftigte in der Luftsicherheit an Verkehrsflughäfen (Aviation)

Laufzeit: 24 Monate (01.01.2022 bis 31.12.2023)

Abschluss: Erhöhung der Entgelte in zwei Schritten: für 2022 im Schnitt um insgesamt 5,2 Prozent bis 10,2 Prozent; ab 01.04.2023 weitere Erhöhung im Schnitt um drei Prozent bis 7,4 Prozent.; ab 01.01.2024 gilt in allen Bundesländern der gleiche Lohn in der jeweiligen Lohngruppe; Abschaffung der noch bestehenden Einstiegs-bzw. Probezeitlöhne in zwei Schritten (01.04.2022 und 01.04.2023) bis zum 01.01.2024.

 

Einigung des Arbeitgeberverbandes Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) mit den Gewerkschaften ver.di -Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, DHV - Die Berufsgewerkschaft sowie dem Deutschen Bankangestelltenverband (DBV) (02.04.2022) 

Personal: 172.000 Innendienst-Angestellten des privaten Versicherungsgewerbe

Laufzeit: 26 Monate (01.02.2022 bis 31.03.2024)

Abschluss: Einmalzahlungen in Höhe von 550 Euro für Mai 2022 und Mai 2023, anteilig für Angestellte in Teilzeit und Altersteilzeit; Gehaltssteigerung ab 01.09.2022 um drei Prozent und ab 01.09.2023 um weitere zwei Prozent; Auszubildende: Einmalzahlung 300 Euro im Mai 2022, 250 Euro im Mai 2023; ab September 2022 Erhöhung der Ausbildungsvergütungen auf 1.120 Euro im 1. Ausbildungsjahr, 1.195 Euro im 2. Ausbildungsjahr und 1.280 Euro im 3. Ausbildungsjahr; ab 1. September 2023 weitere Erhöhung auf 1.170 Euro im 1. Ausbildungsjahr, 1.245 Euro im 2. Ausbildungsjahr und 1.330 Euro im 3. Ausbildungsjahr; bis 31. Dezember 2024 bei gutem Ausbildungsabschluss Übernahme in ein für zwölf Monate befristetes Arbeitsverhältnis beim Ausbildungsbetrieb oder Partnerbetrieb möglich.

Sonstiges:

Erhöhung der Schichtzulagen: im Zweischichtbetrieb ab 01.09.2022 von aktuell 200 Euro auf 206 Euro, ab 01.09.2023 auf 210 Euro; im Dreischichtbetrieb ab 01.09.2022 von aktuell 380 Euro auf 391 Euro, ab 01.09.2023 auf 399 Euro; Verlängerung des Altersteilzeitabkommens und des tariflichen Arbeitszeitkorridors um zwei Jahre bis 31.12.2024 zu unveränderten Bedingungen; Verlängerung des Tarifvertrags zur Verlängerung der Höchstüberlassungsdauer bei Arbeitnehmerüberlassung (von 18 auf 48 Monate) bis 31.12.2024.; ab 01.10.2022 Mehrarbeitszuschlag für Teilzeitkräften bei Überschreiten der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit.

 

Einigung des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) mit der ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft und dem Deutschen Bankangestellten-Verband (DBV) (06.04.2022)

Personal: ca. 160.000 Beschäftigte

Laufzeit: 35 Monate (01.07.2021 bis 31.05.2024)

Abschluss: Einmalzahlung von je 500 Euro (Auszubildende 100 Euro) im April 2022 und Januar 2023; Anhebung der Gehälter ab 01.08.2022 um drei Prozent und ab 01.08.2023 um weitere zwei Prozent; Erhöhung der Ausbildungsvergütungen ab 01.08.2022 auf 1.150 Euro im 1. Ausbildungsjahr, 1.220 Euro im 2. Ausbildungsjahr und 1.300 Euro im 3. Ausbildungsjahr.

Sonstiges: Verlängerung derÖffnungsklausel zur Beschäftigungssicherung (31-Stunden-Klausel), die Rahmenregelung zu Langzeitkonten, der Altersteilzeit-Tarifvertrag und der Kurzarbeits-Tarifvertrag bis 31.12.2024.

 

Einigung des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie mit der Industriegewerkschaft Metall (05.05.2022):

Personal: 16.000 Beschäftigte

Laufzeit: 25 Monate (01.05.2022 bis 31.05.2024)

Abschluss: Einmalzahlungen in Höhe von 200 Euro zum 1. Mai 2022 und 120 Euro zum 01.08.2022. Entgelterhöhung ab 01.10.2022 um 4,1 Prozent, ab 01.10.2023 um 1,5 Prozent.

Erhöhung der Ausbildungsvergütungen:  ab 01.08.2022 von 820 Euro auf 855 Euro im 1. Ausbildungsjahr, von 875 Euro auf 910 Euro im 2. Ausbildungsjahr, von 925 Euro auf 965 Euro im 3. Ausbildungsjahr und von 980 Euro auf 1.020 Euro im 4. Ausbildungsjahr; ab 01.08.2023 Erhöhung auf 880 Euro im 1. Ausbildungsjahr, 935 Euro im 2. Ausbildungsjahr, 990 Euro im 3. Ausbildungsjahr und 1.045 Euro im 4. Ausbildungsjahr.

Sonstiges: Erhöhung der Jahressonderzahlung ab 01.01.2023 von bisher 60 Prozent auf 75 Prozent eines durchschnittlichen Monatsbruttoverdienstes bzw. einer durchschnittlichen monatlichen Ausbildungsvergütung. Erhöhung des Urlaubsgeldes auf 690 Euro im Jahr 2022 und auf 720 Euro ab 2023; Auszubildende erhalten Hälfte des zusätzlichen Urlaubsgelds.Verlängerung desTarifvertrages zur Förderung demografischer Altersteilzeit bis zum 31.05.2024.

 

Einigung der Deutschen Telekom AG mit der ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (12.05.2022):

Personal: ca. 55.000 Beschäftigte

Laufzeit: 24 Monate (01.04.2022 bis 31.03.2024)

Abschluss: Anhebung der Gehälter in zwei Stufen jeweils zum 01.08.2022 um 2,7 bis 3,1 Prozent und zum 01.06.2023 um weitere 2,1 Prozent; Einmalzahlung von jeweils 500 Euro im Juli 2022 und im Februar 2023 für Beschäftigte der Entgeltgruppen 1-6; für Auszubildende und Dual Studierende: ab 01.08.2022 Gehaltssteigerung von rund 3,1 Prozent, monatliche Entgelterhöhung um 35 Euro ab 01.06.2023 und Einmalzahlungen von jeweils 100 Euro im Juli 2022 und Februar 2023.

Sonstiges: Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 31.12.2024; separate Verhandlungen für internen IT-Bereich zu Wochenarbeitszeit und Kündigungsschutz.

 

Einigung der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) mit der ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft und dem dbb beamtenbund und tarifunion (18.05.2022)

Personal: 330.000 Beschäftigte im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst (SuE)

Laufzeit: 48 Monate (01.01.2022 bis 31.12.2026)

Abschluss: ab 01.07.2022 monatliche Zulage in Höhe von 130 Euro für Beschäftigte in den Entgeltgruppen S 2 bis S 11a (u.a. Erzieher); für Sozialarbeiterinnen (in den Entgeltgruppen S 11b bis S 12 sowie S 14 und S 15) Zulage in Höhe von 180 Euro. Zulage kann auf Wunsch zu einem Teil in Freizeit umgewandelt werden (maximal zwei Arbeitstage pro Kalenderjahr); ab 2022 zwei Regenerationstage pro Jahr.

Sonstiges: zum 01.10.2024 Anpassung der bestehenden Regelungen zu Stufenlaufzeiten im Sozial- und Erziehungsdienst an die allgemeinen Regelungen der übrigen Beschäftigten im öffentlichen Dienst; damit keine verlängerten Stufenlaufzeiten und keine vorgezogenen Endstufen mehr für das Erreichen der jeweils nächsten Erfahrungsstufe in der jeweiligen Entgeltgruppe.

 

Einigung des Arbeitgeberverbandes Stahl mit der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) (15./17.06.2022)

Personal: 87.800 Beschäftigte der nordwest- und ostdeutschen Stahlindustrie

Laufzeit: 18 Monate (01.06.2022 bis 30.11.2023)

Abschluss: Energiebonus von 500 Euro für die Monate Juni und Juli; für Teilzeitbeschäftigte anteilig, Auszubildende 200 Euro; ab 01.08.2022 Anhebung der Löhne und Gehälter um 6,5 Prozent; Ausbildungsvergütungen ab 01.08.2022 1.044 Euro im 1. Ausbildungsjahr, 1.096 Euro im 2. Ausbildungsjahr, 1.174 Euro im 3. Ausbildungsjahr und 1.275 Euro im 4. Ausbildungsjahr.

Sonstiges: Verlängerung der Tarifverträge über Altersteilzeit, Beschäftigungssicherung, Mindestnettoentgelttabellen und den Einsatz von Werkverträgen bis zum 30.11.2023.

 

Einigung des Arbeitgeberverbandes Luftverkehr (AGVL) mit der ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (04.08.2022)

Personal: 20.000 Beschäftigten des Bodenpersonals der Deutsche Lufthansa AG

Laufzeit: 18 Monate (01.07.2022 bis 31.12.2023)

Abschluss: Ab 01.07.2022 Festbetrag von 200 Euro pro Monat; ab 01.01.2023 Entgelterhöhung um 2,5 Prozent, mindestens aber 125 Euro; weitere Erhöhung um 2,5 Prozent zum 01.07.2023.

 

Einigung des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) (18.10.2022)

Personal: 580.000 Beschäftigte der chemischen Industrie

Laufzeit: 20 Monate (01.11.2022 bis 30.06.2024)

Abschluss: ab 01.01.2023 Erhöhung der Entgelte und der Ausbildungsvergütungen um 3,25 Prozent und ab 01.01.2024 um weitere 3,25 Prozent.

Inflationsgeld: 3.000 Euro in zwei Teilen, je 1.500 Euro spätestens zum 31.01.2023 und 31.01.2024; für Teilzeitbeschäftigte anteilig, mindestens aber je 500 Euro; Auszubildende jeweils 500 Euro.

Sonstiges: ab 2023 Entwicklung von Ideen für tarifliche Regelungen zur Stärkung der Tarifbindung.

 

Einigung der Deutschen Lufthansa AG mit der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) (01.11.2022)

Personal: 19.000 Kabinenbeschäftigte

Laufzeit: 14 Monate (01.11.2022 bis 31.12.2023)

Abschluss: Fünf Einmalzahlungen von insgesamt 1.200 Euro; ab 01.01.2023 Erhöhung der Grundvergütung um 250 Euro pro Monat; ab 01.07.2023 Erhöhung des Entgelts um 2,5 Prozent.

Sonstiges: neuer Manteltarifvertrag für unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle für höhere Produktivität in den nachfragestarken Sommermonaten.

 

Einigung des Arbeitgeberverbände Gesamtmetall und Südwestmetall mit der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) (18.11.2022)

Personal: ca. 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie

Laufzeit: 24 Monate (01.10.2022 bis 30.09.2024)

Abschluss: Lohnsteigerungen ab Juni 2023 um 5,2 Prozent, ab Mai 2024 um 3,3 Prozent.

Inflationsgeld: Auszahlung der Inflationsprämie in zwei Stufen: jeweils 1500 Euro (für Auszubildende 550 Euro) zum 01.01.2023 und zum 01.01.2024.

Ausblick auf anstehende Verhandlungen

Die Verhandlungen für die 102.000 Beschäftigten der Volkswagen AG starteten am 25.10.2022 mit den gleichen Kernforderungen wie in der Metall- und Elektroindustrie (Erhöhung der Entgelte um 8%); am 22.11.2022 gehen die Tarifpartner in eine neue Verhandlungsrunde. Zum Ende des Jahres 2022 laufen in größeren Tarifbranchen wie dem Öffentlichen Dienst Bund und Gemeinden bestehende Verträge aus. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert für die 2.712.000 Beschäftigten 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens 500 Euro pro Monat für eine Laufzeit von 12 Monaten. Des Weiteren sollen Ausgebildete unbefristet übernommen und der Altersteilzeit-TV verlängert werden (Vgl. WSI Tarifrunden).

In der eingangs schon erwähnten Herbstprojektion gehen die Experten im Übrigen davon aus, dass die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer, die im letzten Jahr durchschnittlich um 3,3 Prozent gestiegen sind, dieses Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent steigen werden. Für 2023 und 2024 werden Anstiege um 5,0 bzw. 4,7 Prozent vorhergesagt. Es bleibt also spannend.

Ökonomische Analyse

Autor/-in: Anusha Anthonippillai

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